top of page

Silvesterchlausen im Appenzellerland

  • Autorenbild: Roger
    Roger
  • 24. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Jedes Jahr an Silvester findet im Appenzellerland das Silvesterchlausen statt. Dieser Brauch wird im Hinterland, Mittelland und Vorderland durchgeführt. Hauptorte sind Urnäsch, Schwellbrun oder auch Stein. Der Brauch findet von morgen früh bis spät abends statt. Die Chläuse auch Schuppel genannt, ziehen dabei von Haus zu Haus.

Es gibt 3 Arten von Chläusen.


die schönen

die halbschönen

die wüsten


Ich bin um 07:45 Uhr in Stein bei der Schaukäserei angekommen. Das Thermometer vom Auto zeigte –10 °C an. Also Schuhe wechseln.

Nun galt es, zu hören, wo sich die Chläuse aufhalten. Dies ist die einzige Möglichkeit, sie zu finden. Die Schellen und Glocken hört man von weitem. Etwas ausserhalb von Stein gibt es eine Chlausenbeiz. Dies ist anscheinend der Dreh- und Angelpunkt in dieser Gegend.

Hinter dem Dorf habe ich bereits einen "schönen" Schuppel angetroffen. Sie waren gerade auf dem Weg zu einem Haus. Danach beginnt das „Zäuerle“ (Singen). Sind Sie mit diesem fertig, beginnen die Chläuse zu springen, damit die Schellen und Glocken läuten.

Das Ganze wiederholt sich dreimal. Danach wird den Hausbewohnern ein frohes neues Jahr gewünscht, die Chläuse ziehen weiter zum nächsten Haus. Manchmal ist dies das Nachbarhaus, manchmal auch einige 100 Meter entfernt, sodass sie über die Wiesen gehen. Dies ergibt dann die schönen Fotos. Liegt noch Schnee, umso besser.

Diese Chläuse gingen weiter nach Stein. Ich machte mich auf den Weg zur Chlausbeiz. In der Hälfte der Strecke kam mir ein weiterer Schuppel entgegen. Es waren „wüste“. Ich konnte sie wundervoll in der Landschaft fotografieren. Bei einer Abzweigung der Strasse hielten sie an, wahrscheinlich waren sie sich nicht einig, zu welchem Haus sie wollten. Sie entschieden sich für das Bauernhaus, von dem ich gerade kam.

Weiter ging’s zur Chlausenbeiz. Dort angekommen hörte ich von weitem Schellen. Die Chläuse waren jedoch zu weit weg, bzw. kamen nicht in meine Richtung.

Auch hörte ich Schellen aus Richtung des Dorfes. Somit entschied ich mich, ins Dorf zurückzugehen.

An der Kirche und Schaukäserei vorbei lief ich auf die andere Seite, da ich Schellengeläute hörte. Anscheinend ist der Schuppel zwischen den Häusern. Ich traf jedoch einen „Bubenschuppel“ an. Sie waren gerade fertig mit Singen und gaben allen Zuhörern die Hand, um ein neues Jahr zu wünschen. Danach gingen sie über die Wiese weiter zum gegenüberliegenden Haus.

Von einer Mutter habe ich gehört, dass sie beim weiter oben liegenden Haus wieder zurückkommen. Ich wartete einige Zeit und sah sie auf dem Weg. Auch hier konnte ich wundervolle Aufnahmen machen. Beim „Zäuerle“ vor dem Haus gab es auch wundervolle Fotos.

Ich entschied mich, im Restaurant der Schaukäserei einen Kaffee zu trinken. Nach kurzer Zeit kam ein wüster Schuppel ins Restaurant, gefolgt von einer Schar Zuschauer. In einem Innenraum ist das Ganze noch viel eindrucksvoller, da der Raum geschlossen ist. Nach ca. 20 min. hat sich derppel wieder verabschiedet und verliess das Restaurant wieder.

Ich zahlte meinen Kaffee und fuhr nach Stein hinunter. Im Dorf angekommen traf ich leider keinen Schuppel an. Anscheinend haben sie das Dorf bereits verlassen. Bei einem Haus sah ich noch einen Bubelschuppel. Danach fuhr ich wieder zurück nach Stein, bog jedoch auf halber Strecke zu einem Haus ab.

Dort ist bereits ein Bubenschuppel am Singen.

Hinter dem Haus kam mir ein wüster Schuppel entgegen. Sie warteten hinter dem Haus mit ihrem Zäuerle, bis die Buben fertig waren und weiter zogen. Dann kamen die Wartenden hervor und und begannen. Auch sie wünschten am Schluss den Hausbewohner ein gutes neues Jahr und gingen dann weiter.

Wir fuhren weiter nach Stein, parkierten jedoch nicht im Dorf, sondern fuhren weiter durch das Dorf. Hinter der Schaukäserei bogen wir Links ab, danach wieder Links. Der Weg führte zu einem Platz mit ein paar Häuser. Da es ein Restaurant hatte (welches jedoch geschlossen war) konnten wir auf diesen Parkplätzen parkieren. Hinter dem letzten Haus führte ein Wanderweg über die Wiese hinunter zu einem kleinen Wäldchen. Dort bog der Wanderweg nach Rechts einen Abhang hinunter. Auf einer Sitzbank warteten 4 Personen mit Hund. Anscheinend sollte dort einen „Schuppel“ vorbeikommen. Nach ca 20 min. hörten wir die Schellen und Glocken. Kurze Zeit später sahen wir den Schuppel. Es war ein „schöner“. Bis dieser jedoch zu uns hinauf kam verging fast 45 min. Das warten überbrückten wir mit Reden und Fotografieren. Dann kamen sie der schmale Weg hinauf. Oben angekommen warteten sie bis alle dort waren und gingen gemeinsam über die Wiese auf den Platz hinauf. Dort begannen Sie mit dem „Zäuerle*. Danach gingen sie zum nächsten Haus. Ich ging zurück zum Auto, wechselte wieder die Schuhe und fuhr nach Hause.

Es war wieder einmal ein Interessanter Tag. So viele „Schuppel“ auf engstem Raum wie an diesem Tag habe ich noch nie gesehen.


Kommentare


bottom of page